Alltagstaugliche Mediationskennnisse per Fernstudium?

DR. PETER A. DOETSCH SCHILDERT SEINE ERFAHRUNGEN: Die Idee, eine Ausbildung zum Mediator zu machen, ist langsam gereift. Meine Erfahrungen als Geschäftsführer in verschiedenen Dienstleistungsunternehmen sowie als Verwaltungsrat und Verantwortlicher für Personal einer Kirchengemeinde machten für mich deutlich, dass sich Konfliktspiralen, wenn sie sich einmal zu drehen begonnen haben, an Dynamik gewinnen und ich als Außenstehender den Konfliktpartnern häufig keine guten Hilfsangebote machen konnte. Ja, ich hatte mich schon mehrfach mit Kommunikationsmodellen und dergleichen beschäftigt. Und ich hatte regelmäßig wissenschaftliche Erkenntnisse zu Personalentwicklungs- und Kommunikationsthemen in den einschlägigen Personalzeitschriften konsumiert. Ich hatte schließlich als Anwalt auch am einen oder anderen Schiedsverfahren teilgenommen, aber dabei auch die Erkenntnis erlangt, dass diese zwar schneller zu einem Ergebnis führten, nicht aber unbedingt zu befriedigenden Ergebnissen. Die Entscheidung zwischen reinem Präsenz- und Fernstudium fiel primär deshalb für das Fernstudium aus, weil ich beruflich nicht viele Wochenarbeitstage für ein Mediations-Seminar hätte freischaufeln können. Und so lief ich dann nach erfolgter Anmeldung an einem Tag im Oktober 2008 an der FH Koblenz ein. Und ich wäre fast wieder rückwärts aus der Türe herausgefallen, als ich Arthur Trossen als leitenden Ausbilder erkannte, der vom äußeren Erscheinungsbild mit Zopf so gar nicht meiner Erwartung an einen Dozenten entsprach. Als er dann – unterstützt durch Monika Trossen, ebenfalls Ausbildungs-Mediatorin – die Ausbildung begann, zog er mich in seinen Bann. Er zog mich als Mensch in seinen Bann, aber auch als Mediator, dessen allparteiliche, neutrale Haltung in allen Fasern seines Körpers und in jeder Äußerung und Übung sichtbar wurde. Hatten wir mit dem umfangreichen Skript eine hervorragende Basis um die Theorie der Mediation zu erlernen, so wurden die Präsenztage intensivst dazu genutzt, die besondere Haltung des Mediators zu erspüren und zu verinnerlichen. Für mich als Anwalt und Berater war dies nicht leicht, da ich reflexhaft doch immer schon eine Lösung für die Konfliktpartner parat hatte … Nach erfolgter Ausbildung mit drei Wochenenden voller Übungen sowie zwischenzeitlichen intensiven Peer Group Treffen mit weiteren Übungen fühlte ich mich zwar noch nicht völlig „fertig“, aber doch schon so gerüstet, um wenige Monate später zwei kleinere Mediationen im kirchlichen Umfeld durchzuführen. Mein Mediationswissen habe ich vor allem im Hauptberuf als Geschäftsführer einer spezialisierten Unternehmensberatung angewendet, nicht nur bei Konflikten mit Kunden, sondern vor allem – quasi als integrierte Mediation – bei Konflikten zwischen Mitarbeitern. Es gelang mit häufig, die im Mediationsverfahren gelernten Techniken und vor allem Fragen, die Konfliktpartner dazu zu bringen, vom festgefahrenen Streit über an der Oberfläche liegende Positionen zu einer Betrachtung der darunter liegenden wechselseitigen Interessen zu gelangen. Schnell wurde ich eine Anlaufstelle bei Konflikten, insbesondere auch von Führungskräften und Mitarbeitern, für die ich im Rahmen der Linienorganisation gar keine Verantwortung trug. Im Jahre 2010 folgte dann, vermittelt durch den eigenen Steuerberater, ein erstes Wirtschaftsmediationsverfahren. Es ging um die Auseinandersetzung zweier GmbH-Geschäftsführer, die wechselseitig hälftig an zwei GmbHs beteiligt waren. Beim Versuch, diese Beteiligung auseinander zu dividieren, waren sie in Streit geraten. Ich habe vorher noch einmal meine Unterlagen und Mitschriften angesehen und mich dann auf dieses Wagnis eingelassen. Dabei kam mir sicherlich auch zugute, dass ich als Rechtsanwalt die rechtliche Dimension des Konfliktes (Gesellschaftsrecht, Markenrecht, etc. ) einschätzen konnte. Mit der bei Arthur Trossen erlernten Haltung gelang es, den Konfliktpartnern den Weg zu ebnen, wieder miteinander persönlich sprechen zu können, und konstruktiv mit Blick auf eigene und fremde Interessen eine Lösung zu suchen. Je ein Vorgespräch, zwei intensive Mediationsgespräche sowie – bezogen auf die Unternehmensbewertung ein paar Nacharbeiten durch den gemeinsamen Wirtschaftsprüfer – und schon stand eine Lösung und Vereinbarung, die später so auch umgesetzt wurde. Weitere Wirtschaftsmeditionsverfahren folgten, eines sogar mit insgesamt 10 Beteiligten, darunter einem großen Bundesunternehmen. Jedes dieser Verfahren war eine Herausforderung, die ich mit der im Fernstudium erlernten Haltung und Techniken dann erfolgreich meistern konnte. In allen Verfahren wurde eine Einigung erreicht, in einem Wirtschaftsmediationsverfahren kündigte einer der Konfliktpartner diese später – wohl getrieben durch Dritte – wieder auf. Wenn ich zurückschaue, dann kann ich sagen, dass ein Fernstudium mit intensiven Präsenzeinheiten geleitet durch erfahrene Mediatoren wie Arthur und Monika Trossen ein Weg ist, um in alltagstauglicher Form das notwendige Wissen und die geforderte Haltung eines Mediators zu erlangen. Ich jedenfalls habe damit neue Kompetenzen gewonnen, Kompetenzen die ich in förmlichen Mediationsverfahren und in Form einer integrierten Mediation im Beruf nutzbringend einsetzen kann.