Neue Arbeitswelt: Führen mit menschlicher und künstlicher Intelligenz

zfh-Kooperationspartner Graduate School Rhein-Neckar feierte am 18.09.2026 ihr 20-jähriges Jubiläum

Ludwigshafen – „Ein Jubiläum ist kein Schlusspunkt, sondern eher eine Wegmarke. Gerade in der Bildung angesichts der rasanten Veränderungen unserer Arbeitswelt und Gesellschaft,“ erklärte Ralf Blasek, Geschäftsführer der Graduate School Rhein-Neckar (GSRN), den rund 80 Gästen der Jubiläumsveranstaltung am vergangenen Freitag. Vertreter aus den Hochschulleitungen der Region, des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar, der IHK Pfalz und des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft (BVMW) ebenso wie Gäste aus Unternehmen, Dozierende und Studierende folgten der Einladung der Weiterbildungseinrichtung der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen (HWG LU). „Wir sind stolz, dass die berufsbegleitenden Weiterbildungen über zwanzig Jahre fortwährend marktgerecht und für ständig neue Anforderungen der Praxis weiterentwickelt wurden“, betonte Gunther Piller, Präsident der HWG LU in seiner Rede. Die Frage nach der Zukunft der Arbeitswelt stand entsprechend im Fokus des Vormittags. In einer Expertenrunde zum Thema Mensch und Künstliche Intelligenz (KI) teilten Jutta Rump, Professorin in Personalmanagement und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability der HWG LU, sowie der Wirtschafts- und Innovationspsychologe Oliver Hoffmann, Professor in London, aktuelle Ergebnisse ihrer Forschung. Fragen von der Praxis für die Praxis brachte Moderator Christoph Thome von der FC Group in Karlsruhe ein. Anschließend folgten die Jubiläumsfeierlichkeiten.

In Bewegung bleiben, ohne die Balance zu verlieren
Zuerst sensibilisierte Jutta Rump für die Vielfalt an Transformationen, die wir im Bereich Digitalisierung, Ökologie, Wirtschaft, Demografie und Gesellschaft aktuell erleben. Allein die Digitalisierung löse sieben verschiedene Effekte in der Arbeitswelt aus. Prozesse würden optimiert und von der KI übernommen, dies verdränge Berufseinsteiger aus den leichteren Standardtätigkeiten. Gleichzeitig gewännen wir zwar dank der KI-Nutzung Zeit, dies erhöhe jedoch die Leistungserwartung und verdichte die Arbeit. Berufserfahrene seien hingegen für Tätigkeiten gefragt, die die KI nicht übernehmen könne, wie Verantwortung, Entscheidung und Koordination. Acht Kompetenzen der menschlichen Intelligenz (MI) stellte sie als essentiell für die Zukunft vor. Führungskräfte hätten in Zukunft eine multidimensionale Schlüsselfunktion. Wichtig sei ihrer Forschung zufolge, dass sie die Logik digitaler Systeme verstünden, Effizienz und Menschlichkeit im Gleichgewicht hielten, Lernen- und Kompetenzentwicklung für sich und andere gestalteten und für Orientierung und psychische Sicherheit sorgten.

Menschliche Wertschöpfung liegt in Verantwortung und Urteilskraft
Die Verfügbarkeit von Psyche und Denkfähigkeit des einzelnen Menschen stand im Mittelpunkt von Oliver Hoffmanns Vortrag. Aus der Psychologie betrachtet, werden in der Arbeitswelt oftmals die psychischen Ressourcen wie beispielsweise Aufmerksamkeit und Selbstregulation nicht berücksichtigt. Die Fülle der Informationen sei nicht das Problem, sondern die Möglichkeit diese in unser Denken und Handeln zu integrieren. Die KI produziere Informationen immer billiger, während ihre Beurteilung durch den Menschen teurer werde. Daher sei für ihn eine wichtige Kompetenz die Abgrenzung, bei der der ökonomische Nutzen des Einsatzes psychischer Ressourcen hinterfragt wird. Atmosphärische Führung schaffe psychologische Bedingungen, unter denen Leistung gefördert wird. Menschliche Wertschöpfung sei in Zukunft dort, wo psychologische Prozesse impliziert seien wie Verantwortung, Urteilskraft, soziale Interpretation. Beide Experten sehen einen großen Umbruch, sind jedoch zuversichtlich, dass Führungsteams eine Option darstellen könnten und der Mensch eine Regulation und ein neues Gesellschaftsmodell finden wird.

Wissenschaftliche Weiterbildung zur Fachkräftesicherung der Region
In seiner anschließenden Jubiläumsrede betonte Ralf Blasek die Besonderheit der ursprünglich von zwei Fachhochschulen - Mannheim und Ludwigshafen - gegründeten GSRN. Über Ländergrenzen hinweg wurden damals zusammen mit dem damaligen Unternehmensbeirat die Bedarfe aus den Berufsbildern in die akademischen Inhalte integriert. Gunther Piller dankte explizit dem Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit in Rheinland-Pfalz, das die wissenschaftliche Weiterbildung ausdrücklich im Hochschulgesetz verankert und beruflich Qualifizierten den Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen öffnet. „Das Land setzt hiermit ein wichtiges Signal für Durchlässigkeit und Bildungsgerechtigkeit. Unsere Hochschule kann somit als breit aufgestellte Bildungspartnerin für die Fachkräftesicherung in der Region agieren“, so Piller. Er dankte dem zfh - Zentrum für Fernstudien im Hochschulverbund als langjährigem Partner in der Organisation der MBA-Fernstudiengänge. Stefan Lacher, Professor der HWG LU und Studiengangleiter für Digitalisierung und Innovation, stellte die GSRN als Ort des gegenseitigen Lernens dar. Sowohl Dozierende wie Studierende lernten voneinander. Es sei eine schöne Herausforderung Wissen über Methoden, Modelle und Strukturen weiterzugeben. Insbesondere wenn berufserfahrene Studierende nach dem Abschluss anmerken, dass ihre bisherige Karriere vor dem MBA eigentlich wie Fahren ohne Führerschein gewesen sei.

Beim anschließenden Sektempfang erlebten die netzwerkenden Gäste die diesjährigen MBA-Absolventinnen und Absolventen mit Masterrobe und -hut, die zu ihrer Graduierungsfeier am selben Tag eintrafen. Für sie beginnt mit Titel und frisch erworbenem Wissen eine neue Lebensphase mit mehr Verantwortung im Beruf.

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Ralf Blasek, Geschäftsführer der GSRN, bei seiner Jubiläumsrede | Foto: © GSRN

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