Hochschule Geisenheim stellt sich vor

Vizepräsident Prof. Dr. Alexander von Birgelen im Gespräch mit dem zfh


Vizepräsident der Hochschule Geisenheim, Prof. Dr. Alexander von Birgelen - Fotos: Hochschule Geisenheim

Das zfh freut sich sehr, die Hochschule Geisenheim als neue Hochschule zum zfh-Verbund zählen zu können. Die Konzeption des ersten berufsbegleitenden Fernstudiengangs und gleichzeitig des ersten MBA-Studiengangs an Ihrer Hochschule führte im Juni 2020 zum Kooperationsvertrag mit dem zfh. Bereits zum Sommersemester 2021 ging der Studiengang erfolgreich an den Start. Herr Professor von Birgelen, was war Ihre Motivation und wie kam es zu dem Entschluss, den deutschlandweit ersten berufsbegleitenden akademischen Master-Studiengang für Fach- und Führungskräfte der Weinwirtschaft als Fernstudium anzubieten?

Für die Akteure der Weinbranche wird es immer wichtiger, adäquat auf die sich verändernden Rahmenbedingungen in Weinanbau, Betriebsführung und Weinvermarktung zu reagieren, um ihren Betrieb zukunftsfähig aufzustellen und zu leiten. Um sie dabei zu unterstützen hat die Hochschule Geisenheim den berufsbegleitenden Fernstudiengang „Management in der Weinwirtschaft“ (MBA) entwickelt. Mit unserem ersten Fernstudiengang schließen wir zudem eine wesentliche Lücke in der Ausbildungslandschaft, da dieser je nach persönlichem Zeitkontingent in Voll- oder Teilzeit auch berufsbegleitend studierbar ist.

Als erster berufsbegleitender, auf Deutsch angebotener Master-Studiengang für Fach- und Führungskräfte der Weinwirtschaft soll er wesentlich zur Stärkung der deutschen und deutschsprachigen Weinwirtschaft beitragen.

Die Hochschule Geisenheim blickt auf 150 Jahre Geschichte zurück – gleichzeitig ist sie noch eine sehr junge Hochschule, die 2013 offiziell als 13. Hochschule des Landes Hessen gegründet wurde. Herr Professor von Birgelen, möchten Sie uns etwas über die Meilensteine in der Entwicklung Ihrer Hochschule berichten?

Trotz der noch recht jungen Hochschule hat Lehren und Forschen an unserem Standort in Geisenheim eine lange Tradition. Den Grundstein dafür legte die am 19. Oktober 1872, von Freiherr von Lade gründete „Königlich preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau“. 40 Jahre danach kamen zu den Anbaufächern Inhalte der Gartenkunst, Gartenarchitektur und Landschaftsgärtnerei als eigener Studiengang hinzu. Anfang der 70 Jahre erfolgte mit Gründung der Forschungsanstalt Geisenheim und der Zuordnung des Geisenheimer Lehrbereichs zur damaligen Fachhochschule Wiesbaden (heute Hochschule RheinMain) eine organisatorische Trennung von Forschung und Lehre. Am 1. Januar 2013 erfolgte mit der Gründung der Hochschule Geisenheim University wieder eine Zusammenführung beider Bereiche.

Als erste akkreditierte Hochschule neuen Typs stehen wir für die Verbindung beider Hochschulwelten in Bildung und Forschung. D.h. wir bieten unseren Studierenden derzeit acht berufsqualifizierende praxisnahe Bachelor-Studiengänge und neun grundlagenorientierte, forschungsbasierte Master-Studiengänge sowie eine Beteiligung an einem weiteren Masterstudiengang im regionalen Verbund an. Insgesamt gibt es einen Bachelor- und sieben Masterstudiengänge in Kooperation mit anderen Hochschulen im In- und Ausland. Zusammen mit dem Promotionsrecht verbinden wir das Beste der Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten.

Besonders macht uns auch die fachliche Ausrichtung aller Studiengänge rund um das Thema Pflanze und Nachhaltigkeit. Diese reicht von den Pflanzenanbaukulturen (Weinreben, Obst, Gemüse und Zierpflanzen) und deren vielfältigen Produktions- und Verarbeitungs- und Vermarktungsbereichen bis hin zu deren planerischen Verwendung in der Stadt und Landschaft. 

Der Weinmarkt Deutschland steht weltweit an vierter Stelle, bietet also Karrierepotenzial für angehende Führungskräfte. Warum sollten sich Interessierte gerade für das Fernstudium an der Hochschule Geisenheim entscheiden?

Die Hochschule geniest weltweit einen hervorragenden Ruf im Bereich des Weinbaus und der Oenologie. Die Absolventinnen und Absolventen sind dank der praxisnahen Ausbildung gefragte Fachkräfte für gehobene Managementtätigkeiten. An der Hochschule Geisenheim arbeiten Sie mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Fragen, die heute und in Zukunft die Welt bewegen.

Der Fokus des MBA „Management in der Weinwirtschaft“ an der Hochschule Geisenheim liegt mit Modulen zu Personalmanagement, Unternehmensführung, steuerlichen Fragen und Controlling auf betriebswirtschaftlichen Aspekten. Daneben greifen die Dozierenden praxisnah aktuelle weinbauliche und oenologische Fragestellungen auf. Der neue Fernstudiengang, den die Hochschule Geisenheim in Kooperation mit dem zfh anbietet, ermöglicht es Interessierten, berufsbegleitend zuhause zu lernen und gleichzeitig praktische Inhalte unter Nutzung der guten Infrastruktur vor Ort geblockt zu nutzen. Bei der Konzeption hat die Hochschule Geisenheim besondere Rücksicht auf die arbeitsreichen Stoßzeiten in der Weinbranche genommen. Zusätzlich können unsere Studierenden wie auch die Wissenschaftler von unserem starken internationalen Partnernetzwerk über das eigene Studium hinaus profitieren.

Die Corona-Pandemie hat auch an den Hochschulen zu einem Digitalisierungsschub geführt. Die Fernstudiengänge im zfh-Verbund, die sich bereits vor der Pandemie durch eine starke Ausprägung an digitalen Lehr-Lernformaten auszeichneten, haben Ihre Präsenzphasen und Prüfungsformate weiter flexibilisiert. Wie sehen Sie das Studium der Zukunft und was wünschen Sie sich diesbezüglich für Ihre Hochschule?

Die Pandemie hat weltweit unser Bildungssystem aber auch die Arbeitswelt massiv verändert, deren Auswirkungen auf die Zukunft aktuell noch nicht absehbar sind. Wir konnten an unserer Hochschule viele Erfahrungen zu den Vor- aber auch Nachteilen einer reinen Onlinelehre sammeln. Hier liegen noch viele Hausaufgaben auf Seiten der Hochschulen aber auch Politik vor uns, um die positiven Veränderungen der Lehre in die Nach-Pandemiezeit zu überführen.

Die positiven Entwicklungen in der Lehre der letzten zwei Jahre, waren aus meiner Sicht nicht die zwangsweise Verlegung von Präsenzlehre vor Ort in den digitalen Raum, sondern vielmehr die digitale Lehre als Türöffner für eine neue Vielfalt an abwechslungsreichen und innovativen synchronen und asynchronen Lehrkonzepten. Dieses Angebot ist für Studierende wichtig, um besser im eigenen Rhythmus Wissen und Kompetenzen nachhaltig aufzubauen und entwickeln zu können.

Ich erhoffe mir daher für unsere Hochschule zukünftig einen wieder belebten Campus als sozialen Lern- und Lebensraum mit einem attraktiven und ausgewogenen Lehrangebot für unsere Studierenden im Blendend Learning Format.

Herr Professor von Birgelen, wir danken Ihnen für das Gespräch.