Christine Zorn zum Fernstudium Informatik

OHNE BACHELOR ZUM MASTER: Die Möglichkeiten für beruflich Qualifizierte, ihre praktisch erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten auf fundierte wissenschaftliche Grundlagen zu stellen, haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Sie erwerben beispielsweise berufsbegleitend international anerkannte Master-Abschlüsse und sind damit meist krisensicher qualifiziert. Der Weg zum Masterstudium ohne Bachelorabschluss läuft in der Regel über eine Eignungsprüfung – im ZFH-Fernstudienverbund gibt es derzeit 11 Master- oder MBA-Studiengänge mit der Möglichkeit, ohne Bachelor-Abschluss gleich ins Masterstudium einzusteigen. Ca. 10% der Studierenden in Masterfernstudiengängen nutzen diese Chance bereits. So auch Christine Zorn, die an der Hochschule Trier im berufsbegleitenden Fernstudiengang Informatik eingeschrieben ist und kurz vor dem Abschluss Master of Computer Science steht. Sie berichtet über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen im Fernstudium:

Frau Zorn, Sie waren zunächst im kaufmännischen Bereich berufstätig und haben sich im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich weiterqualifiziert - wie sind Sie zur Informatik gekommen?

Ich habe mein Abitur mit der Note 1,4 abgeschlossen und im Anschluss daran eine Lehre als Bankkauffrau gemacht. Eine Banklehre war vor 20 Jahren begehrter als mancher Studienplatz. Ein Informatikstudium kam damals für mich nicht infrage, da ich mit Computern und Softwareentwicklung groß geworden bin. Mein Vater hatte sich vor 30 Jahren als Softwareentwickler selbstständig gemacht. Ich durfte schon als 7-jährige an seine Philips P330, ein Computer von Schreibtischgröße, der heute bestenfalls noch im Museum steht. Ich habe in meiner Jugend die Entwicklung in den Bereichen Hardware und Software miterlebt und es war für mich schon als junger Mensch eine Selbstverständlichkeit, einen Computer zu benutzen. Ich sah damals nichts Besonderes darin und habe deshalb die Banklehre gemacht. Da ich nach der Lehre eine der wenigen handverlesenen Stellen im Außenhandelsbereich der Bank bekommen habe, hat sich die Frage nach einem Studium in diesem Moment so nicht gestellt. In der Zeit, in der ich im Außenhandel tätig war, habe ich die wirtschaftswissenschaftlichen Fortbildungen zum „Fachkaufmann für Außenhandel (IHK)“ und zum „Betriebswirt (IHK)“ abgeschlossen und bin für beide Fortbildungen mit dem Meisterpreis der Bayrischen Staatsregierung ausgezeichnet worden. Ich war damals Mitte 20 und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, die sich auch schnell gefunden hat: Mein Vater konnte Unterstützung bei der Softwareentwicklung gebrauchen, also habe ich mich in die Softwareentwicklung eingearbeitet. 2004 habe ich dann eine GmbH, die ZDM-Software GmbH, gegründet und bin seither selbstständig. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von Individualsoftware.

Vom Zertifikatsstudium zum Diplom und schließlich zum Master:

Ich habe mit dem Zertifikatsstudium begonnen, als es noch keine Möglichkeit gab, ohne fachfremdes Erststudium für den Diplomstudiengang zugelassen zu werden. Als dies im späteren Verlauf möglich wurde, habe ich mich in den Diplomstudiengang eingeschrieben. Als sich dann die Chance ergab, den Masterstudiengang zu belegen, habe ich die Aufnahmeprüfung abgelegt und die dafür noch verpflichtenden Fächer belegt. Die Frage, ob ich einen Abschluss mache oder nicht, hat sich für mich nie gestellt, da ich es als Selbstverständlichkeit sehe, einen Abschluss zu machen, wenn dies möglich ist. Ich kann auch jedem anderen Menschen nur dazu raten und nicht aus Bequemlichkeit darauf zu verzichten.

Ich empfinde das Studium als Bereicherung…:

Das Fernstudium ist eine großartige Möglichkeit für bereits beruflich qualifizierte Menschen, neues Wissen zu erwerben und einen Abschluss zu erlangen, ohne den direkten Weg Abitur - Bachelor - Master einschlagen zu müssen. Nach mehreren Jahren Berufstätigkeit wäre es mir auch sehr schwergefallen, mich an ein klassisches Studentendasein zu gewöhnen. Ich bin ein sehr eigenständiger Mensch – auch beim Lernen – und da ist mir das Konzept des Fernstudiums sehr entgegengekommen. In manchem Bereich wäre es sicherlich bequemer gewesen, eine Vorlesung zu besuchen, aber es gibt ja auch im Fernstudium Tutorien, die man besuchen kann. Ich empfinde das Studium – genauso wie die wirtschaftswissenschaftlichen Fortbildungen vorher – als große Bereicherung für mein Leben.

Große Flexibilität im Fernstudium für Berufstätige entscheidend…:

Was man bei der Bewältigung des Fernstudiums allerdings nicht übersehen darf, ist die zeitliche und persönliche Komponente. In meinem Fall bedeutete dies, neben der beruflichen Mehrbelastung aus der Selbständigkeit auch noch die Zeit für das Studium aufbringen zu müssen. Es war nicht immer einfach, beides unter einen Hut zu bringen. Vor allem wenn ein Kundenprojekt fertiggestellt werden musste, war ich für die Flexibilität des Studiums dankbar. Selbstverständlich habe ich vom Studium auch in beruflicher Hinsicht profitiert. Ich habe mich mit Themen beschäftigt, denen ich so nicht begegnet wäre oder mit denen ich mich nicht ohne berufliche Veranlassung so in der Tiefe auseinandergesetzt hätte. Ich habe keine großen Erwartungen, was die Veränderung meines beruflichen Daseins nach Abschluss des Studiums angeht – ich bin ja schon seit Jahren dort, wo andere mit dem Abschluss erst hinwollen.

Modulsystem: unschlagbarer Vorteil

Einer der unschlagbaren Vorteile des Fernstudiums ist, dass man als Zertifikatsstudium beginnen kann um herauszufinden, ob man mit der Art des Studierens und mit dem Anforderungsniveau zurechtkommt, ohne von vornherein das Risiko eines Studienabbruchs eingehen zu müssen. Man sieht nach jedem abgeschlossenen Fach einen Fortschritt im Studienverlauf und bekommt durch das Präsenzpraktikum und die Prüfung eine Rückmeldung über die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sowie ein Zertifikat über die erbrachte Leistung.

Das Studium hat mir Spaß gemacht, weil:

Warum das Studium Spaß macht, ist meines Erachtens so individuell wie die Motivation, das Studium aufzunehmen. Mir hat das Studium immer dann am meisten Spaß gemacht, wenn die Herausforderung groß war, wie zum Beispiel bei „Automatentheorie, Formale Sprachen und Berechenbarkeit“.