Silvia Leuze, Jahrgangsbeste Absolventin, MBA Marketing-Management, FH Kaiserslautern

Aus ihrer Abschlussrede zur Absolventenfeier Haben Sie sich einen typischen MBA-Absolventen so vorgestellt?
Ein paar Jahre älter als ein Bachelor vielleicht, aber gleich so viel?
Das hat sich sicher auch eine Dame in Heidelberg gedacht. Dort war ich vor ca. 3 Jahren mit meinem ganz neuen Studierendenausweis unterwegs, und kam an einer Bäckerei vorbei, die im Schaufenster mit 10% Studentenrabatt für alle Backwaren warb. Das wollte ich gleich ausprobieren. An der Kasse legte ich meinen Ausweis vor, den die Dame eingehend prüfte, verwundert von mir zum Ausweis blickte und ich weiß nicht mehr ob sie nicht sogar noch meinen Personalausweis verlangt hat. Sie hat mir dann tatsächlich einen anderen Preis verrechnet, aber der war sogar höher als der ursprüngliche. Ich reklamierte und was ich dann am Ende bezahlte war zwar weniger als der Originalpreis, aber nicht ganz 10%. Wir waren auf jeden Fall beide verwirrt. Scheint doch ungewöhnlich zu sein, in „meinem Alter“ noch ein Studium zu absolvieren. Mit welcher Motivation fängt man mit um die 40 nochmal an zu studieren? Studium in der Lebensmitte
Letztes Jahr besuchte ich einen Vortrag eines Trendforschers. Bei den Prognosen, die er für die Dauer der Lebensarbeitszeit heutiger Berufsanfänger abgab, liegt mein Studium so in etwa in der Mitte meines Lebens. In der Mitte des Lebens hat man meistens einen Standpunkt gefunden – privat, auch beruflich. Die Stelle, an der man dann steht, ist meist eine andere als zu Beginn des Berufslebens oder es ergeben sich neue Schwerpunkte. Meine berufliche Heimat war schon immer der internationale Vertriebsbereich. Der Schwerpunkt Marketing hat sich mit der Zeit entwickelt und so bin ich auf der Suche nach einer Weiterqualifizierung dieser neuen Orientierung in Zweibrücken fündig geworden. Es hat sich gelohnt...
Rückblickend kann ich sagen, es hat sich wirklich gelohnt für mich! Ich konnte genau diesen neuen Schwerpunkt vertiefen und auch gleich im Unternehmen einbringen. Die Balanced Scorecard von Prof. Dr. Walter Ruda – in Anlehnung an Kaplan und Norton – hat bei L’Orange, dem Stuttgarter Unternehmen, bei dem ich arbeite, Einzug gehalten und ich begleite den Prozess von Anfang an. Vertiefung in der beruflichen Lebensmitte, Neuorientierung  und - nach familiär bedingter Reduzierung der Arbeitszeit - auch eine Art Wiedereinstieg mit Wissens-update. Das alles war dieses Studium für mich. Der typische MBA-Student?
Aber ist das typisch? Typisch für den MBA Studenten ist wohl eher, dass es DEN typischen Studenten nicht gibt. Die Leute kommen von überall her, bringen unterschiedlichste berufliche Hintergründe mit und auch zig verschiedene Motivationen für das Studium. Ich fand es klasse, diese unterschiedlichen Typen kennenzulernen. Seither schaue ich in Hotels nach dem Hersteller der Minibar, habe bei Maschinenbauforen Gesichter zu Unternehmen wie ksb oder Voith im Kopf oder sogar Ansprechpartner, wenn es um den Austausch über neue Prozesse geht. Und ich weiß jetzt, dass es Sportarten wie Unterwasser-Rugby gibt, in der Bamberg amtierender deutscher Meister ist. Meine jungen Studienkollegen haben mich trotz des Altersunterschiedes stets selbstverständlich in ihren Runden akzeptiert und mich zu den Vor- und Nachbereitungsrunden der Präsenzen mitgeschleppt. Im 3er Team haben wir so manche Seminararbeit erstellt und uns immer super ergänzt. Motivation während des Studierens in der Ferne
Was hat uns immer wieder während des Studiums motiviert?
Man hat ja lediglich 3 Präsenzveranstaltungen pro Semester und ist dazwischen ziemlich auf sich alleine gestellt mit seinen Unterlagen und sonstigen Datenquellen. Es gehört natürlich viel Selbstdisziplin dazu und die letzte Motivation ergab sich aus den Prüfungsterminen – da unterscheiden wir Fernstudierenden uns wahrscheinlich kaum von allen anderen Studierenden. Es liegt in der Natur der Sache, dass es ein Fernstudium oft erfordert, sich Inhalte selbst zu erarbeiten. Man telefoniert vor Prüfungen miteinander, tauscht vielleicht Antworten auf Prüfungsvorbereitungen aus, aber letztendlich ist man doch überwiegend auf sich alleine gestellt. So fand ich es einfach klasse, dass es möglich war, Professoren bei Fragen zu kontaktieren, und die auch prompt antworteten. Fragen gab es vor allem bei Statistik und da möchte ich ganz besonders Prof. Dr. Marc Piazolo erwähnen, der hier meistens umgehend  per Mail weiterhalf. Das erleichterte die Arbeit an vielen Stellen und überbrückte die Distanz, die beim Fernstudium zwangläufig vorhanden ist. Dieselbe Erfahrung durfte ich auch während der Arbeit an meiner Masterthesis machen und auch hier danke ich Professor Piazolo ausdrücklich und ganz herzlich für die tolle Zusammenarbeit. Gut betreut - von Anfang an
In ganz besonderer Erinnerung wird mir auch stets die Eignungsprüfung als Einstieg ins MBA Studium bleiben. Hier prophezeiten mir die prüfenden Professoren vor nunmehr 3 Jahren, dass sie sicher seien, ich würde den Abschluss schaffen. Und sie versprachen mir damals: „Sollte es in der Zwischenzeit einmal Schwierigkeiten geben und Sie irgendeine Art von Unterstützung brauchen, kommen Sie bitte auf uns zu. Wir werden einen Weg finden!“ Ich habe das Angebot nie in Anspruch nehmen müssen, denke aber immer mit großer Dankbarkeit daran zurück und habe diese persönliche Geste im ansonsten eher nüchtern rationalen Studienbetrieb als sehr positiv in Erinnerung behalten.
Auch die Menschen, die mir sonst in Zweibrücken begegnet sind, bleiben in guter Erinnerung, allen voran möchte ich Frau Fremgen und insbesondere Frau Welsch für die tolle organisatorische Betreuung während der gesamten Studienzeit danken…