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Babypause als Karrierechance

Melanie Fritz zum Thema Studieren mit Kind während der Elternzeit:

Frau Fritz, Sie absolvieren das Fernstudium MBA & Engineering an der FH Gießen-Friedberg und sind gerade in der Elternzeit – für wie lange?

Ich nehme 1 Jahr Elternzeit - mein Lebenspartner, der Vater 2 Monate.

Sie starten jetzt ins 4. Semester - wann werden Sie Ihr Studium schätzungsweise beenden?

Mein Ziel ist es, die Masterarbeit während des Elternzeitjahres zu schreiben und das Studium damit bis Juli 2011 (5. Semester) abzuschließen.

Als Sie mit dem Studium begonnen haben, waren Sie berufstätig - was empfinden Sie als anstrengender - das Studium neben dem Job oder jetzt während der Elternzeit mit Baby?

Schwer zu sagen, das ist phasenweise sehr unterschiedlich. Das Lernen selbst fand ich neben dem Berufsalltag stressiger, aber man konnte die Lernzeiten besser planen als mit Kind. Jetzt gibt es Tage, da braucht meine Tochter mehr Aufmerksamkeit, an anderen habe ich wieder mehr Zeit für mich und mein Studium. Die Organisation ist mit Kind stressiger, da man auf die Unterstützung anderer angewiesen ist. Während es nach einem anstrengenden Arbeitstag manchmal schwer fiel, den Kopf mit weiteren Managementthemen zu belasten, empfinde ich das Studium im Erziehungsurlaub als geistige Bereicherung“.

Sie sind Architektin und bei der  Fraport AG beschäftigt. Unterstützt Ihr Arbeitgeber Ihre Weiterbildung?

Ja, sowohl zeitlich als auch finanziell im Rahmen eines Stipendienprogramms für engagierte und leistungsstarke Mitarbeiter.

Erfahren Sie schon jetzt Anerkennung etwa für Ihre Disziplin neben Job und Familie zu studieren?

Ja, auf jeden Fall – Anerkennung aber auch Skepsis. Mein Entschluss im 3. Semester die letzte Klausur zwei Tage vor dem errechneten Entbindungstermin noch mitzuschreiben, stieß auf Unverständnis! Ich sah das irgendwie gelassen und dachte, solange es mir und dem Kind gut geht, spricht doch nichts dagegen. Ich habe mich aber auch nie unter Druck gesetzt, es schaffen zu müssen. Wenn es nicht gegangen wäre, wäre es auch o.k. gewesen. Ich habe geschrieben und bestanden, 14 Tage später kam meine Tochter zur Welt.
Ich glaube, eine wichtige Eigenschaft, die man haben muss, ist Zielstrebigkeit mit einer Portion Gelassenheit, um flexibel auf Unvorhergesehenes zu reagieren und dennoch den Weg nicht aus den Augen zu verlieren.

Konnten Sie Ihre neu erworbenen Kenntnisse schon nutzen?

Von Anfang an fand ich die behandelten Themen im Berufsalltag wieder. Vor allem der Blick über den Tellerrand der täglichen Arbeit, die Aufmerksamkeit für Managementprozesse und strategische Themenstellungen im Konzern ist schnell gewachsen.

Was war Ihre Motivation zum Fernstudium - wollten Sie sich gezielt für die Anforderung in Ihrem derzeitigen Job weiter qualifizieren oder versprechen Sie sich bessere Karrierechancen mit einem MBA-Titel?

Sowohl als auch. Als Architektin im Bereich Handels- und Vermietungsmanagement bin ich für die Projektentwicklung von Einzelhandelsflächen im Rahmen des Flughafenbaus verantwortlich. Neben technischen oder gestalterischen Planungsfragen steht hierbei die Wirtschaftlichkeit der Investitionen im Vordergrund. Den betriebswirtschaftlichen Hintergrund hierfür liefert das MBA-Studium. Zusätzlich wird durch das breite Spektrum an Management-Themen sowie durch das Vertiefungssemester 'Controlling' meine Qualifikation für andere Aufgabenbereiche erweitert und bietet damit auch Chancen auf Veränderung und Weiterentwicklung.

Mit einem MBA & Eng. und einem Dipl. Ing. haben Sie eine Doppelqualifikation und damit beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt - sehen Sie das auch so?

Auf jeden Fall - mit den beiden Abschlüssen hat man eine breite Basis und gute Möglichkeiten, in unterschiedlichen Bereichen tätig zu sein. Mit dieser Qualifikation und der bereits vorhandenen Berufserfahrung hat man sicher gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Glauben Sie, dass die Babypause eine Karrierepause ist?

Nein, allerdings weiss ich, dass es viel Kraft und Überzeugungsarbeit bei den meisten Vorgesetzten und Kollegen kostet. Die eigene Initiative am Ball zu blieben und sich weiter für die laufenden Geschehnisse am Arbeitsplatz zu interessieren, ist sehr wichtig.

Was hat Sie dazu bewogen gerade das Fernstudium MBA and Engineering in Gießen Friedberg auszuwählen - der "MBA-Markt" ist ja sehr groß?

Es war vor allem das ausgewogene Verhältnis von Selbststudium und Präsenzveranstaltungen. Für mich kam nicht in Frage, jede Woche Freitag oder Samstag Vorlesungen zu besuchen, das hätte ich mit meiner Arbeit nicht vereinbaren können. Ein reines Fernstudium ohne Kontakt zu Kommilitonen und Professoren wollte ich aber auch nicht. Da hätte ich befürchtet, nicht genügend Austausch zu haben und damit nicht die nötige Motivation aufbringen zu können.
Inhaltlich war mir wichtig, dass das MBA-Studium als Aufbaustudium zu meinem Ingenieurstudium passt.

Gibt es sonst noch etwas was Sie sagen möchten, beispielsweise zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Kindern?

Obwohl die Themen "Vereinbarkeit von Beruf und Kindern" und "Frauen und Karriere" in den Medien und Unternehmen mittlerweile sehr präsent sind, sind die Hürden meiner Erfahrung nach immer noch sehr hoch. Hierbei steht und fällt, meiner Meinung nach, die Karriere und die Work-Life-Balance mit einer guten und flexiblen Kinderbetreuung und der Möglichkeit unabhängiger von Zeit und Ort zu arbeiten. Nicht hilfreich sind dagegen die vielen Teilzeitmodelle, deren Ziel es ist, weniger zu arbeiten. Besser wären hier, meiner Ansicht nach, Lösungen, die es ermöglichen zeiteffizient aber lange genug zu arbeiten, um auch verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Hier fehlt es einmal an der Akzeptanz für Telearbeit und zum zweiten an ausreichenden Kita-Angeboten. Und leider gibt es in unserer Gesellschaft immer noch sehr viele Ressentiments gegenüber berufstätigen Müttern, die nicht nur halbtags arbeiten möchten.
 

 
 

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